Gefahrenquellen im Apothekenlabor

23. August 2017 0 Kommentare Rezeptur

Wenn ich mich daran zurückerinnere, welche Chemikalien die Apotheke vorrätig hatte, in der ich vor über 20 Jahren meine Arbeit als Apotheker begann, kommt mir nachträglich noch das Schaudern. Zahlreiche hochgiftige, explosionsgefährliche und kanzerogene Stoffe, die selten bis nie benötigt wurden, waren im Lagerbestand. Dazu in Mengen, mit denen man ein kleines Feuerwerk hätte entfachen können. Ich denke, in vielen anderen Apotheken sah es zu dieser Zeit nicht anders aus.

Nicht nur, dass solche Stoffe eine erhebliche Gesundheitsgefahr für die Mitarbeiter darstellen, sollte man auch nicht vergessen, dass die meisten Apotheken in Wohnhäusern angesiedelt sind und austretende Chemikalien sowie brandgefährliche Stoffe damit auch Bewohner gefährden. Auch wenn viele Apotheken aufgrund der geänderten Apothekenbetriebsordnung und rückläufiger Herstellungspraxis inzwischen ihren Chemikalienbestand reduziert haben dürften, lauern weiterhin Gefahren im Apothekenlabor, von denen ich im Folgenden einige aufführen möchte.

Etwas, woran viele jetzt wahrscheinlich nicht spontan als erstes denken würden, sind Gefahren aufgrund technischer Mängel. Dazu gehören unzureichend funktionierende Gasabzüge (an dieser Stelle sei daran erinnert, dass Gasabzüge jährlich zu warten sind), defekte elektrische Geräte und Elektrokabel, die Feuer und Explosionen auslösen können, alte, poröse und undichte Gasleitungen, undichte Sicherheitsgefäße für hochentzündliche Flüssigkeiten, Haarrisse/Sprünge in Glas- und Vakuumgefäßen, defekte Klemmhalterungen etc. Die Liste lässt sich beliebig fortführen.

Ein weiterer Punkt für Gefahrenquellen im Labor, so banal er auch klingen mag, ist der Gefahrenfaktor Mensch. Zahlreiche Handhabungsfehler können die eigene Gesundheit und die anderer gefährden. Zum Beispiel der Verzicht auf die Verwendung des Gasabzuges oder die persönliche Schutzausrüstung, das falsche Verdünnen von Säuren (erst das Wasser, dann die Säure), die Verwendung einer falschen Chemikalie, unsachgemäßes Erhitzen, unzureichendes Verschließen von Gefäßen, das Öffnen von Gefäßen mit hochentzündlichen oder explosiven Inhalten in der Nähe offenen Feuers (Gasflamme), die falsche oder unsachgemäße Entsorgung von Chemikalien und nicht zuletzt Unfälle durch das eigene Ungeschick, wie das Fallenlassen oder Umstoßen von Gefäßen.

Zu guter Letzt sind es natürlich die Eigenschaften zahlreicher Chemikalien selber, die bei versehentlichem Kontakt oder unbeabsichtigtem Austreten die eigentliche Gefahr im Apothekenlabor darstellen. Sie sollten dem Apothekenfachpersonal weitestgehend bekannt oder anhand der korrekten Kennzeichnung und ergänzender Literatur ausreichend zugänglich sein, deshalb möchte ich hier an der Stelle nur zwei auffällige Punkte aus der eigenen Erfahrung ansprechen.

In meiner Apotheke ist es vorgekommen, dass Kunststoffgefäße und Kunststoffschraubverschlüsse porös wurden. In vereinzelten Fällen traten dadurch Chemikalien aus. Davon betroffen waren Technika und Analytika ohne Verfallsdatum, die deshalb gerne auch mal in Vergessenheit geraten. Zu Schaden kam hierdurch niemand. Trotzdem kann ich in dem Zusammenhang nur jedem empfehlen, regelmäßige Sichtkontrollen des Chemikalienbestandes durchzuführen. Ferner neigen Kunststoffflaschen dazu, unter Druck aufzublähen, wenn Flüssigkeiten ausgasen. Auch hier empfehle ich regelmäßige Sichtkontrollen und ggf. das Öffnen unter dem Gasabzug, um den Druck abzulassen.

Mein Fazit: Apothekenpersonal ist kundig und geschult im Umgang mit Gefahrstoffen. Auch wenn deshalb sehr wenig passiert, bin ich der Überzeugung, dass eine moderne Apotheke aus Umweltschutzgründen und zum Schutz von Mitarbeitern die Vorratshaltung und den Umgang mit Chemikalien auf ein Minimum reduzieren sollte.

Avatar of Andreas Binninger Ich bin selbstständiger Apotheker und betätige mich nebenher als Blogger in den Bereichen Sport und Gesundheit. Gesundheitsprävention ist mir ein großes Anliegen. Deshalb nutze ich seit mehreren Jahren das Apo-Ident-System, um die potentielle Gefährdung von Mensch und Umwelt durch Chemikalien auf ein Minimum zu reduzieren.

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